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Warum Enttäuschung etwas Gutes ist

Als die Pädagogen uns erklärten, dass die vorgegebenen Prinzipien der Montessori-Pädogogik nicht den richtigen Rahmen bieten, damit Mara ihr besonderes Potenzial entfalten kann, stieg Ärger in mir hoch. Da nennen sie sich integrative Schule und jetzt wollen sie unser Kind los werden, weil es nicht so agiert, wie es die Richtlinien verlangen? Ich machte mir Sorgen um meine Frau, die so für diesen Schulplatz gekämpft hatte. "Mara kann sich in diesem Umfeld nicht so entfalten, wie es ihrem Wesen entspricht", sagte eine der Lehrerinnen betrübt. Ich war überrascht, wie ruhig und gefasst Celia darauf reagierte. 

In den Tagen danach setzte sich bei mir die Erkenntnis durch, dass die Lehrer mit ihrer Einschätzung recht hatten. Sie waren genauso enttäuscht wie ich. Unsere Erwartungen waren andere gewesen. Wir hatten alle daran geglaubt, Mara komme zurecht, finde Interesse am Lehrmaterial und werde - im eigenen Tempo - ihren Weg gehen. Aber sie interessiert sich nicht für die Lehrinhalte. Sie ist kreativ und impulsiv und kommt mit der großen Gruppe nicht klar. Ich hatte mir lange eingeredet: es wird schon werden! Aber wenn man einen Schritt zurück trat, gab es valide Hinweise, dass unser Kind mit dieser Art Unterricht unglücklich werden würde.

So ist es mit der Enttäuschung. Sie tut zunächst weh, weil uns bewusst wird, dass sich unsere Erwartungen und Hoffnungen nicht erfüllen. Aber Erwartungen sind reine Fiktionen unseres Gehirns. In sie projezieren wir unsere persönlichen Bedürfnisse und Ziele, sie sind ein aus unserer subjektiven Sicht konstruiertes Bild von der Zukunft. Die eintretende Realität ist so gut wie sicher anders, vor allem, wenn sich unsere Erwartungen auf andere Menschen beziehen, die ihre eigenen Bedürfnisse und Verhaltensweisen haben. 

Kopf hoch: Enttäuschungen sind etwas zutiefst Positives - wenn sie rechtzeitig kommen! Man muss sich das Wort ja nur genau anschauen. Ent-Täuschung. Wir hatten uns getäuscht. Ist es nicht besser, man erkennt eine Täuschung so früh, dass man noch reagieren und einen besseren Weg zum Ziel finden kann. Warum haben Menschen so eine Angst vor Ent-Täuschungen, wo sie doch die besten Wegweiser sind, es besser zu machen?

Wer die Selbsttäuschung in privaten oder beruflichen Dingen mit aller Macht aufrecht erhält, für den wird die Fallhöhe zwischen Illusion und Realität immer höher. Irgendwann so hoch, dass die Wahrheit, also die Ent-Täuschung tatsächlich kaum noch zu ertragen ist, weil er so viel Lebenszeit und Kraft und möglicherweise auch sein Geld in eine Sache investiert hat, die nicht den erhofften Nutzen bringt. 

Selbsttäuschung ist allgegenwärtig: viele Partner gaukeln sich in der Beziehung Harmonie vor und verdrängen latente Werte- und Zielkonflikte aus Angst vor der Erkenntnis, das ihre Lebenspläne nicht zusammenpassen. Menschen opfern ihr Privatleben der Karriere und dem Wettrennen um Titel und Status in der falschen Annahme, das sei der richtige Weg zum Glück. Manager in Unternehmen reden sich ein, sie hätten alles im Griff, weil sie sich vor nötigen Veränderungen fürchten. Immer wieder passiert das so lange, bis der Insolvenzverwalter an der Türe klingelt.  

Es gibt ein einfaches Prinzip: je häufiger man sich ent-täuscht, desto schneller passt man sich den tatsächlichen Gegebenheiten an. Um so größer auch die Wahrscheinlichkeit, Erwartungen und Realität immer wieder in Balance zu bringen. Also: sucht die Enttäuschung, fordert sie heraus! Und geht gelassen mit ihr um. Es ist nichts anderes als ein "Reality Check", der hilft, die neue Möglichkeiten zu erkennen und zu ergreifen. Eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes und stimmiges Leben. 

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